Dieser Beitrag wurde ergänzt am 22.07.23.
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3. Die Jesuiten und der Athos
Parallel zur Congregatio de propaganda fide, ja, geradezu im Wettbewerb mit ihr versuchten die Jesuiten ebenfalls, auf dem Athos Fuß zu fassen. Sie konnten sich dazu nicht einfach wie die Congregatio griechischstämmiger Weltgeistlicher bedienen, die im Collegium Graecum ausgebildet worden waren; denn sie gehörten nicht zum Jesuitenorden.
Doch war die Gesellschaft Jesu nicht nur durch ihre Niederlassungen (Residenzen) auf vielen griechischen Inseln und in den Städten Athen, Saloniki und Konstantinopel gut vernetzt, sondern übte vor allem über die Absolventen ihrer Schulen bzw. Kollegien einen großen Einfluss in der gesamten Region aus.
Der Byzantinist Georg Hofmann SJ (1885-1956) hatte in Rom einen leichten Zugang zu den Dokumenten aus der Geschichte seines Ordens, so dass er drei Versuche der jesuitschen Einflussnahme auf dem Athos intensiv erforschen konnte (vgl. Hofmann 1939). Diese werden im Folgenden dargestellt; die Überlegungen zu einem vierten Versuch – ein „Apostolatsplan“ – werden mangels konkreter Umsetzung nicht weiter erwähnt (vgl. aaO, 26f.).
3.1 Erster Versuch 1658: P. Isaac d’Aultry SJ im Wettlauf mit der Propaganda fidei
Als ein Schüler des Jesuiten Dionys Guillier 1633 in Konstontinopel Patriarch mit dem Namen Kyrillos II. Kontares wurde, sahen die Jesuiten ihre Chance gekommen, auf dem Athos Fuß zu fassen, da der Heilige Berg dem Ökumenischen Patriarchat kirchenrechtlich unterstellt war und ist.
Insbesondere war es der Jesuit Issac d’Aultry, den der Gedanke an eine Niederlassung zwischen den Athos-Klöstern nicht mehr losließ.
Doch Kyrillos II. blieb nur kurze Zeit auf dem Patriarchenthron, um ihn in demselben Jahrzehnt noch zwei weitere Male im Wechsel mit den Gegenpatriarchen Athansios III. Patelaros, Kyrillos I. Loukaris und Neophytos III. von Nizäa zu besteigen. Das Vorhaben konnte noch nicht realisiert werden.
Ab da befanden sich die Jesuiten zunächst im Wettlauf mit der Congretaio de propaganda fide, die ihren gescheiterten Plan, eine katholische Basilianergemeinschaft mit byzantinischen Ritus auf den Athos einzuschleusen, zugunsten der Gründung einer Schule veränderte. Dies gelang ihr 1634 (s. Teil 1).
Nachdem dieses Kolleg der Propaganda 1641 jedoch auf Geheiß der Osmanen den Athos verlassen musste, erwog die Kongregation 1645 in einem Gutachten von Valentin Malcetti die Entsendung von Jesuiten auf den Athos. Der ehrgeizig Plan war nun, über den französischen Botschaft in Paris eine Vollmacht bei dem für den Athos zuständigen osmanischen Hofbeamten (dem Bostandji-Bashi) zu erwirken, um eine Missionsstation auf dem Athos zu errichten.
Freundschaftliche Kontakt zu einzelnen Athosmönchen sah Malcetti als hoffnungsvolles Zeichen, über die ruthenischen Mönche auf dem Athos – gemeint ist wohl das russiche Kloster Palaiomonastir oder Staryj Russik in den Anhöhen, denn das heutige Rossikon bzw. Kloster des hl. Pantaleon / hl. Panteleimon konnte erst 1765 bezogen werden – sogar auf den russischen Zar einzuwirken und somit auf Dauer nicht nur Griechenland sondern sogar Russland in den Bann des Katholizismus zu ziehen (vgl. Hofmann 1939, 7).
Fast zeitgleich hintertrieb die Kongregation ihre eigenen Pläne mit den Jesuiten, indem sie eine „Konkurrenzunternehmung“ der Mindestbrüder (Minimisten, in Deutschland als Paulaner bekannt) unterstützte. Am 17. Juni 1647 erlaubte die Propaganda drei französischen Mindestbrüdern die Überfahrt zum Athos, frug aber diesbezüglich auch beim französischen Botschaft in Konstantinopel an. Die Antwort fiel – dank der besseren Kontakt der Jesuiten? – wahrscheintlich „ungünstig“ aus, denn von einer Ankunft der Brüder auf dem heiligen Berg Athos ist nirgendwo zu lesen (vgl. aaO, 10).
Dagegen kann rund drei Jahre später P. Isaac d’Aultry dem General der Jesuiten Piccolomini berichten, Athosmönche hätten ihm ein Areal für 1000 Goldscudi angeboten.
Aus einem anderen Brief vom 13. Januar 1651 wird deutlich, dass es sich um eine Kirche samt Ackerland und Weinbergen im Besitz des Klosters Megisti Lavra handelt. 200 Scudi müssten noch zum Bau der Residenz aufgebracht werden – und eine Erlaubnis des eben genannten Bostandji-Bashi (vgl. aaO, 11).
Endes des Jahres 1657 erfahren wir, dass die Finanzierung dank verschiedener französischer Adliger gesichtert war und die Mission unter dem Schutz sowohl des Herzogs der Toskana als auch des Großmeisters der Malteser stand. Es war also ein umfangreiches diplomatisches Agieren im Vorfeld nötig gewesen.
Mittlerweile hieß der Jesuiten-General Goswin Nickel, der zwar das Vorhaben d’Aultrys unterstütze, aber vor einem Kauf der Areals dazu riet, ad experimentum zu erproben, „ob die apostolische Arbeit der Jesuiten auf dem Athos aussichtsreich sei“ (aaO, 13).

Inzwischen war d’Aultry am 17. März 1658 zum Athos aufgebrochen. Zwar waren die Athosmönche noch zur Hergabe ihres Landes bereit (war es ein Verkauf oder eine Vermietung?), doch wollten sie keine Zusagen geben, die zu gründende Schule mit ihren Mönche zu beschicken.
Damit war das Unternehmens geplatzt, und d’Aultry verließ bald darauf den Heiligen Berg. Es blieb sein letzter Versuch, denn am 16. Januar 1659 starb er im Alter von 63 Jahren in der Jesuitenresidenz auf Naxos.
3.2 Zweiter Versuch 1669: P. François Richard SJ, der Vampir- und Orthodoxie-Experte
Ein weiterer Versuch der römischen Athos-Missionierung war im Grund von Beginn an zum Scheitern verurteilt, da die Jesuitenoberen mit François Richard (1612-1673) einen Pater auswählten, der auf der Insel Santorin wirkte.
Der Name Santorin ist eine Mischung aus Sant’Irene, wie die Venezianer die Insel nannten, und der griechischen Heiligen Irini (Ἄγια Εἰρήνη). Auf Türkisch heißt sie „Degelmenik“ („wir kommen nicht zurück“) – ein Name wie ein Programm nach der Erfahrung mit einem Vulkanausbruch.
Dort auf Santorin machte sich P. Richard bald nach seinem Eintreffen bei den Einheimischen durch seine Polemiken und in der gesamten Orthodoxie durch sein Buch Targa tes Pisteos (Der Schild des Glaubens) verhasst.
Mit dem griechischen Klerus von Santorin stritt Richard heftig über die bedeutsamen orthodoxen Heiligen und Leitfiguren Markos Evgenikos (Markus von Ephesus) und vor allem über Gregor Palamas, den er unverhohlen als Ketzer und Schismatiker verurteilte.
Im Jahr 1650 veröffentlichen die Jesuiten von Santorin ein Büchlein, in dem sie nicht nur die Verurteilung Palamas‘ wiederholten, sondern auch argumentierten, dass der Vulkanausbruch, der die Insel im selben Jahr heimgesucht hatte, eine göttliche Strafe für die Verehrung dieses Ketzers durch die Griechen sei1.
Wird heiß wie ein Vulkan auch das Fegefeuer sein, in dem die Seelen gereinigt werden müssen? Das von Père Richard 1657 herausgegebenen Buch À propos des âmes du purgatoire über die Seelen im Fegefeuer konnte leider nicht eingesehen werde, doch hat sein Denken bestimmte Muster, die sich wiederholen.
Dementsprechend interessierten den Jesuiten die Wrykólakas, Wiedergänger oder Vampire, die im Aberglaubens des Balkans und Mittelmeerraums existierten2. Denn ihr Auftreten auf Santorin war für ihn ein Beweis dafür, dass die im „Irrglauben der Häresie“ – so sah er den orthodoxen Glauben – verstorbenen Orthodoxen nach dem Tod nicht zur Ruhe kämen.
Dies thematisierte er im 15. Kap. unter Des faux resuscitez, que les Grecs appellent βρουκολάκους des Buchs Relation de ce qui s’est passé de plus remarquable a Saint-Erini (pp. 208-226), einer Beschreibung der Geographie, Geschichte sowie Sitten und Bräuche Santorins aus dem Jahr 16573.

Er griff das Thema „orthodoxe Vampire“ ein Jahr später wieder auf in seinem Buch Targa tes Pisteos tes Romaikes ekklesias (Τάργα τῆς Πίστεως…, Paris 1658) unter Überschrift Διὰ τοὺς βουρκολάκκους [sic! Hier zu den unterschiedlichen Schreibweisen] (Bd. 2, Kap., Absch. 3 , pp. 249-254).
Auf Deutsch übersetzt bedeutet der vollständige Titel Der Schild des Glaubens des römischen Kirche zur Verteidigung der Orthodoxie. Das Wort targa (τάργα) ist ein Lehnwort aus dem Italienischen; der klassische griechische terminus technius für der Schild ist ἀσπίς.
Bereits den Buchtitel des in zeitgenössischem Griechisch verfassten Buches müssen die Griechen als polemisch-provokativ aufgefasst haben, als ob ausgerechnet der Katholizismus die wahre Orthodoxie darstelle und vor Konstantinopel verteidigen müsse. Allerdings war das Buch eine Antwort auf ein „sakrilegische Buch“, das in Moskau gedruckt worden war und die Katholiken attackierte4.
Der Targa war schnell ausverkauft, denn ein Erlass des Ökumenischen Patriarchen Parthenios IV. für den gesamten griechischsprachigen Orient sorgte dafür, dass die meisten Exemplare des Buch aufgekauft und vernichtet wurden.
Noch vierzig Jahre danach glaubte Patriarch Dositehos II. von Jerusalem mit seinem dickleibigen Τόμος ἀγάπης den Palamismus gegen Richards Schmähungen verteidigen zu müssen (vgl. Hoffmann, 14 Anm. 22; Podskalsky, 251)
Seine Athos-Reise kann hingegen im Ergebnis knapp zusammengefasst werden, obwohl sie wahrscheinlich mehrere Wochen gedauert haben wird, da in seinen Bericht Eindrücke aus allen 22 Athosklöster einfließen.
Diesen gliedert Hofamann in drei thematische Einheiten (vgl. aaO, 15-17):
1) Beschreibungen der Klöster und Lebensweisen der Mönche auf dem Athos.
2) Theologische Gespräche mit Bischof Seraphim und den Mönchen der Lavra, die ihn übrigens trotz allem freundlich aufnahmen. Es ging dabei um den Ausgang des Heiligen Geistes (also das von Karl dem Großen ins lateinische Credo eingefügte Filioque), den Primatsanspruch des Papstes, das ungesäuerte Brot der Eucharistie, auch um Gregorios Palamas und natürlich um Richards favorisiertes Thema, das Fegefeuer (aaO, 19).
3) Eine Beantwortung der Frage, welche Chancen die Gründung eines Kollegs auf dem Athos hat. Er beantwortet sie negativ. Eine Möglichkeit „des Apostolats“ sieht er einzig darin, zwei junge Priester aus dem Collegium Graecum nach Karyes zu schicken, die zusätzlich in Heilkunde ausgebildet wären und sich auf diese Weise in doppeltem Sinn nützlich machen könnten: als Pfleger und als trojanische Pferde des Katholizismus.
Freilich wählt er andere Metaphern, wenn er die bitteren Pillen seiner Sicht verabreicht:
„[…] et soub pretexte de médiciner les corps, ils pourroient travailler au salut des ames, et a l’extirpation des heresies, sans estre suspects, veu qu’ils seroint grecs“.
„[…] und unter dem Vorwand, den Körper mit Medikamenten zu behandeln, könnten sie an der Erlösung der Seelen und der Ausrottung der Häresien arbeiten, ohne dass sie verdächtigt würden, da sie Griechen wären“.
Als Richards erfuhr, dass die Kongregation als Reaktion auf seinen Bericht vorhabe, Mindestbrüder auf den Athos zu schicken – wie 22 Jahre zuvor –, um ihren Plan zu realisieren, sah er plötzlich zwei Hindernisse: zum einen die Abneigung der Athosmönche gegen eine Niederlassung lateinischer Mönche (die Jesuiten sind dagegen keine Mönche); zum anderen zweifelte er, ob die Mindestbrüder das entbehrungsreiche Leben der Eremiten aushalten könnten (sicher hätten sie sich gelegentlich auch um die Eremiten an der Südspitze kümmern müssen; aber laut Plan sollte ihre Niederlassung doch in Karyes sein).
Sei es dank seiner „Hinweise“ oder nicht, die Reise der Mindestbrüder wurde ad calendas graecas verschoben und fand dementsprechend nie statt.
3.3 Dritter Versuch 1706: P. François Braconnier SJ, Mitentführer von Patriarch Avetik
P. François Braconnier SJ (1656-1716) trat 1674 in das Noviziat der Jesuitenprovinz Champagne ein und wirkte ab 1698 bis zu seinem Tod im griechischsprachigen Osten. Von 1698 bis 1703 war er Generalsuperior der griechischen Jesuitenmission und gründete die Jesuitenresidenz in Salonki (vgl. Les Jésuites à Salonique).
Seine scharfe Beobachtungsgabe, die ihm bei seinen Beschreibungen der Reisen in Mazedonien und auf den Athos nützte, wurde gerühmt.
Um ihn weiter vorzustellen, wird im Folgenden die Schilderung seiner Beteiligung an der Entführung des armenischen Patriarchen Avetik von Tokat (Avedik Evdokiatsi) am 6. Mai 1706 und dessen Verschleppung nach Frankreich in die Pariser Bastille wiedergegeben, an der Braconnier5 vor seiner Athosreise im Jahr 1706 beteiligt gewesen sein dürfte.
Hofmann (1939) schweigt dazu, doch sprechen andere Quellen.
Natürlich hat er hier „als Kind seiner Zeit“ und „aus Staatsräson“ für Frankreich gehandelt, was nicht losgelöst von den damaligen Zeitumständen zu sehen ist. Aber immerhin belegt es lebhaft die Diskussion über die Beteiligung von Jesuiten an kirchenpolitischen Intrigen, die im Absolutismus Frankreichs zugleich immer auch Staatsffären des Allerchristlichsten Königs waren.
Simon Nicolas Henri Linguet (1736-1794), scharfzüngiger Freund Voltaires, begabter Jurist und Opfer der Französischen Revolution, der die Bastille von innen kannte, kam in seinen Mémoires sur la bastille (London 1783) auf Braconnier und die Entführung Avediks zu sprechen.
Er taugt allerdings nicht als Augenzeuge, da zwischen dem Ereignis und seiner Erwähnung durch Linguet rund 80 Jahre liegen, was jedoch bedeutet, dass es noch nicht vergessen war. Zudem kann er aufgrund seiner Schmähschrift über die Jesuiten Histoire impartiale des Jésuites (Paris 1768) nicht gerade als ihr Freund gelten.
Hier folgen wir dem Kommentar, mit dem die deutsche Übersetzung seiner Denkwürdigkeiten über die Bastille (1885, 517f.) ergänzt wurde:
„»Eine der außerordentlichsten Begebenheiten,« erzählt Bonnac, »die sich während der Gesandtschaft des Herrn von Ferriol zutrugen, und die hier nicht übergangen werden darf, ist die Entführung Avediks, des Patriachen der schismatischen Armenier.
Dieser Patriarch war ein Todfeind unseres Glaubens und der Anstifter der grausamen Verfolgung, welche die katholischen Armenier erduldet hatten. Mit Hilfe des Geldes fanden diese jedoch Mittel und Wege, ihn ins Exil zu bringen. Als dies auf den Rat des Jesuitenpaters Braconnier in Konstantinopel und durch Vermittlung des Paters Tarrillon, gleichfalls eines Jesuiten, der sich in Chios befand, geschehen war, kamen sie auf den Gedanken, um sich jenes Mannes für immer zu entledigen, müsse der Beamte, der beauftragt war, ihn ins Exil zu führen, bewogen werden, auf der Höhe von Chios eine französische Barke aufzusuchen, die den Patriarchen nach Frankreich bringen sollte, wo man ihn in ein Gefängnis stecken würde, aus dem es kein Entrinnen für ihn gäbe. So sonderbar dies Unternehmen erscheint, wurde es doch durch den Vicekonsul in Chios, den Sieur Bonnal, sehr gut durchgeführt. Avedik traf in Frankreich ein und wurde zuerst nach der Insel Sainte-Marguerite und von dort nach der Bastille geführt, wo er gestorben ist […]«“.
Während die Entführung von Patriarch Avedik historisch gesichert ist, machten den »Mann mit der eisernen Maske« erst die gleichnamigen Romane von Alexandre Dumas‘ d. Ä. (passenderweise heißt einer seiner drei Musketiere Athos, während ein anderer, nämlich Aramis, am Ende Generaloberer der Jesuiten wird), Victor Hugo, Marcel Pagnol u.a. berühmt.
Inwieweit die Jesuitenpatres Braconnier und Tarrillon tatsächlich daran beteiligt waren, müsste weiter historisch geprüft werden. Die hier genannten Behauptungen stützen sich auf die Mémoire historique sur l’Ambassade de France à Constantinople (ed. Charles Schefer, Paris 1894) des Jean-Louis d’Usson, Marquis de Bonnac, der von 1716 bis 1724 Jahre französischer Gesandter an der Hohen Pforte in Konstantinopel gewesen war und damit ebenfalls als Augenzeuge ausscheidet.
Aber auf S. 56 zitiert Bonnac seinen Vorgänger de Ferriol an der Hohen Pforte, von dem er wohl einen schriftlichen Bericht vorliegen hatte (vgl. 48-60):

Im Vergleich von Bonnacs bzw. Ferriols Bericht mit der deutschen Übersetzung der Passage aus Linguets Mémoires fällt auf, dass diese bei manchen Namen abweicht: Père Favillon heißt dort Pater Tarrillon, Seigneur Bonnat, der „Vicekonsul in Chios“, wird zu Bonnal, und aus dem Mont St. Michael wird die Insel Sainte-Marguerite, auf die nur A. Dumas senior in seinem Roman Le Vicomte de Bragelonne den „Mann mit der eisernen Maske“ durch d’Artagnan verfrachten lässt. Ansonsten stimmen sie fast wörtlich miteinander überein.
Eine Überprüfung des Digitalisats mit dem Original ergab keine Abweichungen aufgrund eines möglichen Fehlscannens von Fraktur-Buchstaben.
Tatsächlich hieß der erwähnte Pater François Tarillon (1666–1735). Er war der Jesuitenobere auf der Insel Chios. Von ihm sind u.a. Missionsberichte wie der von 1714 mit dem Titel Missions du Levante (Grèce) überliefert. Und auch didaktische Gedicht wie das über das Schießpulver Pulvis Pyrius (vgl. M. Laureys, 91f.).
Die Entführung des armenischen Patriarchen, den der Großwesir zurück verlangte, wurde zu einer großen dipolamtischen Affäre, und der „beständige Zankapfel“ zwischen ihm und dem französichen Botschafter Ferriol.
Sie führte vor allem zu brutalen Verfolgungen der katholischen Armenier, in deren Folge drei von ihnen es ablehnten, ihr Leben durch Konversion zum Islam zu retten und lieber für ihren Glauben den Märtyrertod starben6.
In Juli 1706 reiste Braconnier per Schiff von Saloniki zum Athos. Nach 20 Tagen hatte er von den 22 Klöstern 21 besucht. In den ersten beiden Kapiteln seines Buches beschrieb er alle Klöster, wobei er eifrig auf die 1701 erschienene Beschreibung des Johannes Komnenos zurückgriff und sie durch seine Beobachtungen ergänzte. Eine deutsche Übersetzung wesentlicher Teile dieses Berichts liegt in einer bibliophilen Ausgabe vor.
Aus eigener Hand stammten die Ausführungen in den beiden folgenden Kapiteln 3 und 4 über die Gebräuche und den Glauben der Athosmönche (vgl. Hofmann 1939, 24). Er lobt ihre Strenge beim Fasten, ihre Keuschheit und ihre Gottesdienste; ihr Glaube unterscheide sich nicht von dem der übrigen Griechen, und sie seien Anhänger der Lehren des Gregorios Palamas, ohne jedoch genau zu wissen, worin diese bestünden. Die für ihn wichtigste Feststellung war gewiss, „dass […] es nicht schwer wäre, wenigstens einen Teil der Mönche für die rechte kirchliche Lehre zu gewinnen“ (aaO, 29 ).
Wie zuvor P. Richard führte auch P. Braconnier kontroverstheologische Gespräche mit den Mönchen. Die Themen waren teils dieselben wie bei seinem Mitbruder: Braconnier nannte – vielleicht nicht vollständig – die Heiligkeit des Gregorios Palamas und den Primat des Papstes. Ausdrücklich hielt er fest, dass „beidemale […] der Verlauf und der Ausgang des Redegefechtes günstig“ waren (ebd.).
Er wollte zudem die Klosterbibliotheken des Athos durchforsten und wenigsten zum Teil katalogisieren, schaffte dies aber vor seiner Abreise nicht mehr, denn er wußte um das große Interesse des französischen Königs daran, der sich grundsätzlich für Neuigkeiten aus den sog. Missionen interessierte.
So wundert es nicht, dass der Minister Pontchartrain am 6. April 1707 P. Braconnier mitteilen konnte, König Louis XIV. habe, nachdem er Braconniers schriftlichen Bericht über die Athosreise gehört hatte, folgendermaßen reagiert (Hofmann aaO, 32):
„Sa Majesté a été bien aise être informé des détails dans lequelsvous êtes entré.“
„Seine Majestät war erfreut, über die Einzelheiten informiert zu werden, auf die Sie eingegangen sind.“
4. Schlussbetrachtung
Im Gegensatz zu ihren Ordensbrüdern in den meisten europäischen Staaten konnten die Jesuiten in Griechenland auch nach dem päpstlichen Verbot des Ordens im Jahr 1773 bis 1814 weiterwirken, da sie sich unter den Schutz der russischen Kaiserin Katharina II. stellten, die die päpstliche Ordensauflösung wie auch Preußen ignorierte.
Die Erfolg- und Wirkungsgeschichte der Jesuiten in Russland, die mit ihrem Studienmodell (ratio studiorum) dort ebenfalls äußerst erfolgreich waren und u. a. das Vorbild für die Geistliche Akademie in St. Petersburg lieferten, ist jedoch ein Thema für sich.
Aus heutiger orthodoxer Sicht lassen sich sowohl positive als auch negative Ergebnisse dieses west-östlichen Austauschs formulieren, ohne in anachronistische Bewertungsmuster zu verfallen.
Die folgende Auflistung beansprucht keine Vollständigkeit:
Um mit den negative Ergebnisse zu beginnen:
– Die Verurteilung der jeweils anderen Kirche als häretisch hat die durch die Türkenherrschaft in massive Schwierigkeiten gestürzte Kirche und Gesellschaft der Hellenen stärker belastet als die römisch-katholische Kirche. Solche Verurteilungen haben sich bei Gläubigen beider Konfessionen tief ins kollektive Gedächtnis gegraben und wirken sich vielfach bis heute aus. Die Orthodoxen fühlten sich von der großen römischen Schwesterkirche nicht nur durch die proselytischen Aktivitäten verraten, sondern auch zum Abschuss freigegegben.
– Gelegentlichlich Unionen zwischen Katholiken und Orthodoxen (z.B. 1594-1630 in Brest oder die der Melkiten von 1724) und Unionsversuche (z.B. 1274-1281 von Lyon und 1439 von Florenz-Ferrara), die orthodoxen Hierarchen ein ihnen fremdes Glaubensbekenntnis sowie Bekenntnis zum Papst aufnötigten, können angesichts des drohenden Untergang des christlichen Ostens kaum als „freie Entscheidungen“ bewertet werden, zumal sie wie 1453 mit Aussicht auf politisch-militärische Hilfe erkauft waren, die jedoch zu gering erfolgte. Die Existenz „Unierter Kirchen“ – also orthodoxer Metropolien unter der Jurisdikation des römischen Papstes – haben das Vertrauen der Orthodoxie zum Katholizimus nachhaltig beschädigt, und sie tun es immer noch.
– Das offizielle Verständnis Roms (der Päpste, Propaganda fidei, Orden usw.), mehrheitlich orthodoxe Gebiete als Missionsgebiete zu sehen und vergiftete Hilfen anzubieten mit dem Hintergedanken, aus Orthodoxen Katholiken zu machen, lässt Orthodoxe bis heute alle Handlungen Roms skeptisch bis argwöhnisch begleiten.
– Die Bitte in der Not um Einrichtungen von Schulen und Kollegien wurden als Instrumente des Proselytismus missbraucht.
– Der teils erfolgreiche römische Versuch, orthodoxe Bischöfen angesichts einer verzweifelten politischen Situation zur Konversion zu verführen, und der darauf folgende römische Triumphalismus waren höchst unmoralisch.
Positive Ergebnisse:
– Die konfessionelle Auseinandersetzung hat jeweils zur Schärfung der eigenen Identität (kirchlich, dogmatisch usw.) beigetragen. Für die Orthodoxie belegen z. B. Beichtbücher aus der Zeit der Türkenherrschaft, wie der Hierarchie oft in Abgrenung von anderen Konfessionen das Formulieren des rechten orthodoxen Glaubens gelungen ist (vgl. V. Tsakiris: Die gedruckten griechischen Beichtbücher zur Zeit der Türkenherrschaft, s. u.).
– Es ist schwer zu ermessen, wieviel die Bildungsarbeit der Jesuiten und anderer römischer Einrichtungen trotz aller Missionierungsabsichten während der osmanischen Zeit mitgeholfen hat, den Glauben der Orthodoxen, wenn nicht zu bewahren, so doch zu stützen. Das Wissen um die eigene orthodoxe Identiät hat gewiss den Aufstand von 1821 gegen die Türkenherrschaft erst ermöglicht, zumal er von der Kirche durch Bewußtseinsbildung und glaubensvoller Hoffnung vorangetrieben wurde.
– In belebender Konkurrenz zum römisch-katholischen Schul- und Hochschulwesen konnte die Orthodoxie in Griechenland und Russland ein eigenes aufbauen.
– Der christliche Humanismus in Europa wäre ohne das Exil herausragender griechischer Gelehrten und ihren Druckereien nicht möglich gewesen. In der Not der Türkenherrschaft wurden sie von katholische Städten wie Rom und besonders Venedig aufgenommen, ohne ihnen zumeinst eine Konversion abzunötigen. Dies war zum beiderseitigen Wohl für Ost und West, denn nur im Westen konnten die Bücher auf Griechisch gedruckt werden, die es im Osten brauchte. Und der Westen lernte – zu seinem Fortschritt und Nutzen – die Werke unbekannter griechischer Autoren kennen, die ihm sonst verborgen gebliebe wären.
– Die römisch-katholische Kirche hat durch die konkrete Begegenung mit der Orthodoxie wie auch mit anderen Konfessionen langsam ihre Sichtweise gewandelt: die 1622 gegründete Congregation de propaganda fide zur Missionierung noch nicht-katholischer Völker wurde dank der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils 1967 zur Kongregation für die Evangelisierung der Völker ohne die Zielsetzung des Proselytismus und ohne den Anspruch, andere Konfessionen per se als häretisch zu betrachten.
– Auch die Orthodoxie konnte in der konkreten Begegnung Vorurteile abbauen und dazu lernen, was sich symbolisch bei dem historischen Treffen von Papst Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras zeigte. Solche Begegnungen auf Augenhöhe waren die meiste Zeit in der Geschichte der Kirche(n) undenkbar.
– Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche stellen heute in Deutschland orthodoxen Gemeinden großzügig Kirchenräume zur Verfügung ohne den Hintergedanken an Konversion.
– Auf vielen Ebenen finden ökumenische Begegnungen der drei großen christlichen Konfessionen statt in dem Bewusstsein, dass Jesus die Einheit seiner Kirche will (vgl. Joh 17,21).
R. B.
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Literatur:
- Wikipedia-Art. „Wrukolakas„, abgerufen am 19.07.23. [warum in Südeuropa nicht auf das erste Klopfen geantwortet wird]
- Wikipedia- Art. „Εταιρεία του Ιησού“ (Art. „Gesellschaft Jesu“ auf Griechisch; Deutsche Online-Übersetzung), abgerufen am 16.07.23.
- Braccini, Tommaso: La Targa tes pisteos (1658) di François Richard, S.J., ed i vourkolakkoi greci: tra etnografia e apologetica, in: Orientalia Christiana periodica (80/2014), 409-431. [Summary, 425 = Abstract in English: The Targa tes pisteos (1658) by François Richard, S.J. and the Greek vourkolakkoi: Between ethnography and apologetics]
- Braconnier, François: Mémoires pour servir à l’histoire des monastères du Mont Athos 1706 (Bibl. nat., ms. Supplément grec 930, fol. 1-24) = Omont, Henri: Missions archéologiques françaises en Orient au XVIIe et XVIIIe siècles, I – II , Paris 1902, in: Collections de documents inédits sur l’histoire de France), II 994-1027. Vgl. auch I 275-277. = in großen Auszügen auf Deutsch: François Braconnier (1706) – Ost und West, Union oder Schisma, in: Reichert, F. / Schenk, G.: Athos. Reisen zum Heiligen Berg 1347-1841, 125-147 (Angabe s. u.).
- ders.: Relation d’une mission[Reise nach Kavalla und der Insel Thassos 1707], II 1028-1037.
- ders.: Litterae annuae missionis Macedoniae, ms. archiv. SI. Romae = Hofmann (1925), 181-183.
- Hofmann, Georg SJ (1925): Athos e Roma, in: Orientalia Christiana 19 = vol. 5,2, Rom: Pont. Institutum Orientalium Studiorum.
- ders. (1926): Rom und Athosklöster, in: Orientalia Christiana 28 = vol. 8,1, Rom: Pont. Institutum Orientalium Studiorum.
- ders. (1938a) [= P. G. / Padre Georg?]: La fondazione della prima scuola cattolica sul Monte Athos [Die Gründung der ersten katholischen Schule auf dem Athos], in: Civiltà Cattolica (89,2/1938), 54-59. [Darin weitere zeitgeschichtlich interessante Beiträge: La gioventù nella Germania razzista e totalitaria, 3-16; Germanesimo razzista e Romanesimo cattolico, 289-292]
- ders. (1938b): Die Konzilsarbeit in Florenz Febr. 1439 — 26. Febr. 1443, in: Orientalia Christiana Periodica (4/1938), 157-188; 372-422.
- ders. (1939): Die Jesuiten und der Athos, in: Archivum Historicum Societatis Iesu, Vol. VIII (Jan 1, 1939), 3-33.
- ders. (1954): Rom und der Athos. Briefwechsel zwischen dem Missionar auf dem Athos Nikolaus Rossi und der Kongregation de Propaganda Fide, in: Orientalia Christiana Analecta 142, Rom: Pont. Institutum Orientalium Studiorum.
- Komnenos, Johannes (Ἰωάννης Κομνηνός / Johannes Comnenus [Komenius im Druck?]): Προσκυνητάριον τοῦ ἁγίου ὄρους τοῦ Ἄθωος (Proscyetarium Sancti Montis Atho.), Typis Anthimi Hieromonachi ex Iberia in Monasterio Synagobi 1701. = Bernard Montfaucon OSB: Palaeographia graeca, Paris 1708, 441-499 (Google books).
- Laureys, Marc: Literarische Kunst und Friedensengagement in der Bombarda des Bartholomaeus Latomus, in: Die Poesie der Dinge. Ziele und Strategien der Wissensvermittlung im lateinischen Lehrgedicht der Frühen Neuzeit, hg. v. Ramunė Markevičiūtė und Bernd Roling, Berlin/Boston: De Gruyter, 79-93.
- Podskalsky, Gerhard SJ: Griechische Theologie in der Zeit der Türkenherrschaft 1453-1821. Die Orthodoxie im Spannungsfeld der nachreformatorischen Konfessionen des Westens, München: Beck 1988 (auf Neugriechisch 2003).
- Reichert, Folker / Schenk, Gerrit J.: Athos. Reisen zum Heiligen Berg 1347-1841, hg., eingel., komm. v. F. Reichert u. G. J. Schenk, Stuttgart: Thorbecke 2001.
- Richard, François SJ: À propos des âmes du purgatoire, Paris 1657.
- ders.: Relation de ce qui s’est passé de plus remarquable a Saint-Erini, Paris 1657.
- ders.: Τάργα τῆς Πίστεως τῆς Ῥωμαικῆς Ἐκκλησίσας εἰς τὴν διαφένδευσιν τῆς ὀρθοδοξίας, Paris, ἐκ τῶν τύπων Κλαυδίου τοῦ Κραμοσίου, 1658.
- Linguet, Simon Nicolas Henri: Denkwürdigkeiten über die Bastille. Mit umfassenden Ergänzungen und Berichtigungen deutsch herausgegeben von Robert Habs. Mit einem Plane der Bastille. Leipzig: Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. 1885.
- Tarillon, François SJ: Lettre (extrait) du Père Tarillon a M. Le Comte de Pontchartrain sur les missions des pères jésuites dans la Grèce. Paris, ce 4 mars 1714, in: Choix des lettres édifiantes écrites des missions étrangères 3 (Paris 1835) IV 34–97.
- ders.: Pulvis Pyrius, in: M. Laureys, aaO, 91.
- Ruiu, Adina: Conflicting Visions of the Jesuit Missions to the Ottoman Empire, 1609–1628, in: Journal of Jesuit Studie.
- Tsakiris, Vasileios: Die gedruckten griechischen Beichtbücher zur Zeit der Türkenherrschaft. Ihr kirchenpolitischer Entstehungszusammenhang und ihre Quellen, Berlin – New York: De Gruyter 2009.
- Yannaras, Christos: Orthodoxy and the West, Brookline (MA): H. C. Press 2006 [OA: Γιανναράς, Χρήστος: Ορθοδοξία και Δύση στη νεώτερη Ελλάδα, Αθήνα: Δόμος, 1992].
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Anmerkungen:
- Vgl. Lavinia Gambini: Vampires, Ghosts, and Spirits on Santorini: The Affectivity of a Sulphuric Landscape, vom 8. Juni 2021, abgerufem am 21.07.23: „From the sensory experience of volcanic Santorini, early modern people concluded that the island was shaped by forces that lie ‘outside’ of the order of nature. Early modern descriptions of Santorini include the 1657 travelogue of Jesuit missionary François Richard about his time spent there. Richard addressed the preternatural phenomena that he had observed on the island: amongst other events, he remembered the dramatic earthquakes that had hit Santorini in 1650. Richard described these earthquakes and the correlated ‘subterranean fires’ (volcanic activities) as of non-natural origin. These events had been provoked by God’s wrath against the heresies committed by the islanders. God had used the sulphuric exhalations of Santorini as a punishment: the exhalations made some islanders turn blind, give birth to monsters, and die of asphyxiation. To Richard, the numerous earthquakes that had hit Santorini throughout the centuries were all Godly punishments for heresies. Santorini was an island prone to heresy, evidenced by its material composition, environmental behaviour, and affective properties. The landscape of and sensory experience with Santorini suggested that this was a place of damnation.“ ↩︎
- Mit seiner Beschreibung von Vampiren war P. Richard nicht der Erste: „The first Western accounts of belief in vrykolakas are from the mid-17th century, in compositions by authors such as the Greek librarian of the Vatican Leo Allatius (De quorundam Graecorum Opinationibus, 1645)“ (engl. Wikepedia-Art.“Vrykolkas„). Vgl. auch Montague Summers: The Vampire, His Kith and Kin, First published in 1928. ↩︎
- Vgl. auch Tommaso Braccini, 431: „François Richard’s Relation (Paris 1657) is well known among the first reports that introduced the knowledge of the Greek belief in vampires (vrykolakes) in the West. Richard, however, dealt with the same issue in another less known work Τάργα τῆς πίστεως τῆς Ῥωμαικῆς ἐκκλησίσας (Paris 1658). The section of the Targa devoted to vampires can be usefully compared with the corresponding one of the Relation. Richard definitely pondered it with great care, and he was somewhat successful, despite that the Targa had been immediately banned (and burned) by the Orthodox authorities. Even forty years after its publication the inhabitants of Mykonos cited it to support, in the face of skeptics, their belief that demonic possession could transform a corpse into a vrykolakas.“ ↩︎
- Vgl. die Beschreibung der Onassis Library: „The Targa tis Pisteos was written in reply to a ‘sacrilegious book’ written attacking Catholics that had been printed in Moscow. The book was approved by French ‘high priests’ and three Jesuit theologians, and was translated by Fr. Richard in cooperation with François Rossiers. It is written in the common speech, in the style of a dialogue between teacher and pupil, in support of the correctness of the Catholic faith. The book aroused the ire of the circles of Constantinople’s Patriarchate: Patriarch Parthenios ordered the faithful of the Orthodoxy of Constantinople, Galata, Smyrne and every region with Orthodox inhabitants to buy the book and destroy it“. ↩︎
- Es hat zu zur gleichen Zeit noch einen anderen Abenteuer namens Braconnier gegeben zu haben, der in Wirklichkeit Pierre-Louis de Brisson hieß und ein französische Spion war, der zwischen 1688 und 1718 wirkte, u.a. auch in der Schweiz (vgl. Andreas Affolter: Verhandeln mit Republiken. Die französisch-eidgenössischen Beziehungen im frühen 18. Jahrhundert, EXTERNA. Geschichte der Außenbeziehungen in neuen Perspektiven, hg. v. André Krischer u.a., Band 11, 1. Auflage, Köln et al.: Böhlau Verlag 2017, 334-350; s. auch 180). ↩︎
- Die Entführung von Patriarch Avedik ist ein Kriminalfall mit tödlichen Folgen und sollte allein daher nicht in Vergessenheit geraten.
Durch Aufzeichnungen Ferriols, des französischen Botschafter in Konstantinopel, kennen wir das genaue Datum der Entführung. Am 6. Mai 1706 schrieb er:
„6 mai. Avédik, ce patriarche hérétique, qui nous a fait tant de mal, est enfin tombé entre mes main. On doit le porter à Marseille. Je supplie très humblement S. M. [sc.: Sa Majesté] d’ordonner qu’il soit emprisonné, jusqu’à ce que j’aie rendu compte de toutes ses perfidies et de tous ses crimes, ce que je ferai incessamment par le vaisseau du capitaine Thomasin.“
Ein paar Tage später: „1er juin. Avédik, le tiran des latins, celui qui trafiquait notre religion avec les Turks et prêchait dans ses églises qu’il valait mieuex se faire turk que romain; ce patriarche arménien, qui s’était abandonné à toutes sortes de crimes et d’abominations, après avoir été déposé et envoyé en exil, est enfin tombé entre mes mains; je l’ai fait passer en France, pour y recevoir la punition de ses fautes.
Je donnai mes ordre pour ce sujet au vice-consul de Chio, qui les exécuta avec toute la diligence et l’habileté possibles. Il fallut corrompre le tchiaoux [Anm. unten: huissier] qui était chargé de la conduite d’Avédik et faire plusieurs autres intrigues, qui on réssui, et Avédik sera bientôt á Marseille, si le capitaine qui le porte n’est pas pris par les corsaires. Il est très important qu’il sit reserré de si prês qu’il ne puisse pas écrire en Turquie; car les Turks, qui me l’ont déjà demandé, ne manqueraient pas de m’en faire une affaire. J’ai cru ne puvoir faire une oevre plus agréableà Dieu ni rendre un plus grand service à la religion, dont il était le persécuteur, qu’en l’éloignant de ca pays. Ses impiétés méritent une bonne pénitence. Je l’ai adressé à Marseille, à M. de Montmor.“
Ferriol beschreibt die Verfolgungen der katholischen Armenier aufgrund der Entführung:
„6 juillet. Le granz-vizir s’estentièrement déclaré pour les hérétiques.
10 juillet. Le granz-vizir traite les Arméniens catholiques avec la plus grande cruauté. Quelques-uns se sont fait turks, au milieu des tourments qu’il leur a fait souffrir. Il semble que ce soit une bête féroce; il ne craint ni les plaints, ni ne prévoit les malheurs qui le menacent. Les seules bourses des Arméniens latins peuvent l’arrêter. Je ne déspère pas toutefois de rendre la première trainqzullité aux Arméniens, et j’y donne tous mes soins.
18 juillet. La persécution des Arméniens latins s’apaise un peu. J’espère qu’elle finira bientôt, et que les héretiques auront dépensé bien de l’argent inutilement.“
Auch für Ferriol persönlich hat die Affäre Konsequenzen:
„2 septembre. L’affaire d’Avédik m’a donné beaucoup de peine; le grand-vizir voulait me rendre responsable de sa personne. […] J’ignore si Avédik est encore à Messine, s’il a été mis dans les prison du S.-Office, ou porté en France. Il est très importnat pour le repos et le salut des catholique arméniens qu’il ne reparaisse jamais dans cet empire, avec tous les crimes dont il est chargé, et qui font horreur. Il a été le persécuteur constant et inexorable de la catholicité, et il a dit plusieurs fois qu’il portait sa corde dans son sein, et qu’il ne craignait pas la mort, s’il pouvait perdre auparavant tous les catholiques.“
Im darauffolgenden Jahr 1707 erklärt Ferriol die Affäre für beendet, doch ist sie keinesweg ausgestanden:
„Un billet ministériel, sans signature (15 févr. 1707), prévient M. de Ferriol: « Il vous est impossible, comme vous le savez d’ailleurs, de satisfaire aux demandes du grand-vizir au sujet d’Avédik; il n’est plus en état qu’on puisse le renvoyer vivant à Constantinople: ainsi, c’est une affaire finie.
19 février. Il n’y a de difficultés que pour les affaires de religion, le grand-vizir s’étant déclaré, ainsi que le grand-seigneur, pour les Grecs et les Arméniens schismatiques, au préjudice des latins, d’une manière extraordinaire, que les Turks disent que la loi de Mohomet ne serait pas mieux défendue.
Défense du grand-seigneur, de laisser entrer les missionaires au bagne, pour secourir les prisonniers.
5 avril. La persécution se réveille contre kes Arméniens catholique; il est vrai que plusieurs hérétiques s’y trouvent mêlés, et que le grand-vizir n’en veut qu’aux riches.
4 novembre. Il y a une grande fureur parmi les Arm´niens, ils ne font que changer leur patriarche, depuis un mois ils ont donné 40 bourses à la Porte [sc.: die Hohe Pforte], pour y parvenir … Je ne me mêle plus de leurs affaires. Le malheureux Avédik a perdu cette nation, quand il a inventé le nom de Franc, pour la religion, et qu’il introduit l’usage de donner de l’argent à la Porte, pour dépose les patriarches; il ont fait emprisonner et mettre aus galères plus 60 Arméniens catholiques …
4 novembre. Le granz-vizir, après avoir pris un fetva du mufty, qui condamnait à mort les Arméniens nouvllement arrêtés, comme rebelles au grandseigneur, a ordonné qu’on coupât la tête à hui des principaux. En les conduisant au supplice, on leur a proposé de se faire turks [d.h., sie hatten die, zum Islam zu konvertieren oder hingerichtet zu werden], ils y ont consenti sur-le-champ. Le plus jeune a résisté davanage, à la fin il a dit que le patriarche Sary, qui était du nombre des apostat, ayant abandonné leur religion, dans le temps qu’il avait un pied dans la fosse, il pouvait à 25 ans suivre leur exemple.“
Hier fügt der Herausgeber von Ferriols Aufzeichnungen eine aufschlussreiche Anmerkung hinzu (Spalte 65, Anm. 13):
„M. Topin, p. 187 sqq., donne des extraits de dépêches qui ne m’ont pas passé par les mains, et qui prouvent 1° que les jésuites Braconnier et Tarillon avaient été les principaux instigateurs du coup de main contre Avétik; 2° elles donnent de plus grands détails sur les suites, funestes pour la religion, de ce monstrueux attentat.“
Bei Marius Tipon, der in seinem Buch den Fall des Mannes mit der eisernen Maske erforschte, findet sich tatsächlich eine lange Liste mit Autoren, die sich zur Entführung von Patriarch Avedik geäußert haben und teils auch um die Beteiligung der beiden Jesuitenpatres wissen wollten (Marius Topin: L’Homme au Masque de fer. Ouvrage auquel l’Académie [française ]a décerné le prix d’histoire, Paris: Didier 61883, 395f.):
„Si, le premier, j’ai pu raconter jusqu’à la mort d’Avedick l’histoire de son séjour en France, je suis loin d’être le premier qui ai parlé de l’enlèvement du patriarche. L’historien allemand Hammer, Taulès, Dufey de l’Yonne, Depping, M. Ubicini, M. E. Beauvoir et M. P. Lacroix ont eu tour à tour à se prononcer sur la participation des jésuites à cet enlèvement. «Trop faible, dit Hammer, pour résister aux instances des jésuites, et cédant à leur influence, Ferriol fit saisir Avedick, etc., etc.» Je n’ai pas besoin de citer l’opinion de Taulès [vgl. bei Topin Kap. 13, 171-183; hier, 171 Anm. 1: „L’Homme au masque de fer, mémoire historitique, par de chevalier de Taulès, ancien consul général en Syrie“. Bonnac soll ihm die Existenz und die Umstände der Entfühung geschildert haben, vgl. aaO, 172], que vous savez bien être la même.“
Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (1774-1856), der Begründer der Osmanistik und österreicher Diplomat, beschreibt dieselben Ereignisse in seiner Geschichte des Osmanischen Reiches, ergänzt sie aber andere interessante Details (Bd. 7, Pest 1831 , 123-125; hier 123, angepasst an die heutige Rechtschreibung):
„Der französische Botschafter unterstützte nach Ludwigs XIV. Politik die Protestanten als Rebellen in Ungarn und die Jesuiten als Verfechter der Katholiken in der Türkei. Durch die Jesuiten verleitet, ließ er den Patriarchen Avedik, welcher unter dem Versprechen, den Katholiken günstig zu sein, von den Jesuiten selbst zum Patriarchen befördert, hernach aber der Katholiken ärgster Feind, dieselben aber auf alle Weise verfolgte, zu Chios aufheben und auf einem Kriegsschiff nach Frankreich entführen, von wo er, in geheimer Gewahr gehalten, nie mehr erschien. Diese Entführung war, solang der Großwesir am Ruder, der beständige Zankapfel zwischen ihm und Ferriol, indem jener den Patriarchen immer zurückbegehrte, dieser die Entführung leugnete. Dieselbe war der nächste Anlass neuer Verfolgung der katholischen Armenier und verschärfter Maßregeln gegen die Jesuiten“.
Weiter Topin: „«L’enlèvement d’Avedick, dit Dufey de l’Yonne [Anm. 2: Dictionnaire de la conversation, t. II, p. 287.], avait été conçu et dirigé par le P. Braconnier, jésuite à Constantinople, et le P. Tarilon, jésuite à Chio.» — Le gouvernement, dit Depping [Anm. 3: Correspondance administrative sous Louis XIV., t. II., introduction Depping va jusqu’à dire: «Sur ces entrefaites, Avedick vint á mourir. On serait tenté de croire qu’on se débarrassa de lui parr le poison.» Je suis loin de partager ce soupçon.], avait sans doute ordonné l’arrestation d’Avedick, dont M. de Bonnal, consul de France à Chio, et deux Pères jésuites, les nommés Braconnier et Tarillon, eurent les premiers l’idée, et dont M. de Ferriol, ambassadeur près de la Porte ottomane, dirigea l’exécution.» — «On soupçonna, non sans de fortes apparences, dit M. Ubicini [Anm. 1: Lettres sur la Turquie, t. II, p. 256.], les jésuites établis à Chio et à Galata d’avoir dirigé ce coup de main avec la participation secrète de l’ambassadeur de France.» — «A l’instigation des jésuites, dit M. Beauvoir [Anm. 2: Biographie de Ferriol, collection Didot, t. XVII, p. 556.], Ferriol fit einlever à Chio le patriarche arménien Avedick;» et l’auteur anonyme d’un article sur Avedick, inséré dans la Biographie Didot [Anm. 3: Biographie Didot, article Avedick.], dit : «Les jésuites le firent enlever sur un bâtiment français.» Enfin M. P. Lacroix s’exprime ainsi : «Le patriarche fut exilé et enlevé à la sollicitation des jésuites.» [Anm. 4: M. Paul Lacroix (Bibliophile Jacob), l’Homme au masque de fer, p. 11.]
Voilà donc huit écrivains, les seuls qui se soient occupés de ce sujet jusqu’à ce jour, et qui tous font participer les jésuites à l’enlèvement du patriarche. Mais Hammer est à vos yeux « un compilateur sans autorité,» Taulès un pamphlétaire, et vous ne dites pas un mot des autres.“
Genügend Namen, um sich an ihnen entlanghangelnd tiefer in die Geschichte einzugraben. Ob auch die Archive der Jesuiten hier der weiteren Aufklärung dienen könnten? ↩︎
