Jalil Schwarz, dem Friedenskoch, zum Geburtstag

Kürzlich kam ich nach der Göttlichen Liturgie mit einem elegant gekleideten älteren Herrn in ein anregendes Gespräch.
Er stellte sich mir als Jalil Schwarz vor. Eigentlich heißt er anders.

Auf meinen überraschten Blick hin erklärte er, dass er den Nachnamen Schwarz angenommen habe, da hier kaum jemand seinen arabischen Familiennamen mit einem für deutsche Zungen schwer formbaren Anfangslaut richtig aussprechen könne.

Nun, wo ich darüber schreibe, kommt mir dies vor wie eine den Menschen seiner Wahlheimat seit 1964 überaus zugewandte Geste dieses ungewöhnlichen Mannes.

Es sollte sich im Verlauf des Gesprächs herausstellen, dass dies nur die erste von vielen Besonderheiten eines geradezu abenteuerlichen Lebens ist (hier in Auszügen nachzulesen), aber möglicherweise eine für einen Charakter bezeichnende, der immer wieder mit dem unweigerlich Gegebenen konstruktiv umgehen musste.

Denn neu einstellen musste sich der in Ramla bei Jaffa geborene palästinensische Christ ständig.
Das hat er gewiß mit vielen seiner Landesleute gemeinsam, die wie er ihre Heimat nach der israelischen Besetzung verlassen haben oder eher aufgrund von Vertreibung verlassen mussten.
Die Palästinenser nennen diese Katastrophe auf Arabisch Nakba. Sie hat Familien auseinander gerissen und Menschenleben im realen wie im bürgerlichen Sinn zerstört.

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Bild: Jalil Schwarz (C)

Darüber spricht er ungeschönt, aber ohne Groll. Stattdessen hat er sich auch dieser neuen Realität angepasst, ohne sie als endgültig zu akzeptieren.

Als in seiner Heimat der Wunsch zum Bau einer Schule laut wurde, reagierte er und ging ganz in dem Projekt auf.
Tatsächlich konnte aus einer Bauruine eine Schule für 600 Jungen und Mädchen christlichen und muslimischen Glaubens entstehen und 1994 eröffnet werden.

Finanziert wurde sie im Wesentlichen durch Spenden, die Jalil Schwarz zusammentrug, indem er zu verschiedenen Anlässen für 50 bis sogar 1000 Personen kochte. So wurde er zum Friedenskoch: http://www.friedenskoch.de.

Der sich diesem Erfolg anschließende Plan zum Bau eines Kindergartens für jüdische und arabische Kinder beiderlei Glaubens „köchelte“ dagegen lange vor sich hin und musst aufgrund widriger Umstände nach drei Anläufe leider „ungar“ bleiben.

Stattdessen konnte er sich viele andere Projekte erfolgreich auf seine Weise „erkochen“ und somit zum Wohl vieler Menschen umsetzen (siehe Überblick).
Ebenso den gemeinnützigen Verein Abrahamszelt zur Völkerverständigung sowie zur Förderung der interreligiösen Erziehung von Kindern in Israel kann Herr Schwarz „auftischen“.

Sein großes Engagement zur Völkerverständigung zeichnete Bundespräsident Joahnnes Rau im Jahr 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Band aus.

Auch für die arabischsprachigen Christen in Köln hat sich der emsige Tausendsassa als Gründungsmitglied der rum-orthodoxen Gemeinde St. Dimitrios eingesetzt.
Laut seinen Angaben half er beim Erlangen einer Kirche in Köln-Bickendorf mit und bei ihrer Einrichtung mit Ikonostase, Kirchengestühl, Schränken und einem großen Taufbecken.
Für all das und vieles mehr gebührt Jalil Schwarz immer wieder ein herzliches „Vergelt’s Gott“ und Schukran (Danke)!

Gegen Ende der Unterhaltung mit dem lebhaften Mann wagte ich mich schließlich vor: „Darf ich fragen, wie alt Sie sind?“
„Am 18. August werde ich, so Gott will, 87 Jahre alt!“

Daher ist ihm zum heutigen Geburtstag von Herzen zu wünschen:
Gottes Segen auf allen Wegen und auf viele, viele Jahre weiterhin Freude am Kochen mit guten Appetit!