*** Wesentlich ergänzt am 10.10.24 ***
Die Göttliche Liturgie auf Deutsch wird in Deutschland mittlerweile regelmäßig an vielen Orten von Hamburg bis München gefeiert. Fast alle orthodoxen Bistümer bieten dies an.
Zuletzt kamen die antiochenisch-orthodoxe Gemeinde des Hl. Dimitrios in Köln (2. So. im Monat um 15 Uhr) und die rein deutschsprachige georgisch-orthodoxe Gemeinde der Hll. Ansgar von Bremen und Lambert von Maastricht in Oldenburg hinzu.
Doch anderswo ist Deutsch schon länger in der Liturgie zu hören, zum Beispiel seit 1998 in der Berliner Gemeinde des Hl. Isidor von Rostow, die offiziell im Jahr 2002 gegründet wurde.
Hiermit tragen die orthodoxen Bischöfe dem Wunsch besonders von jüngeren Gläubigen und Konvertiten nach unmittelbarer Verständlichkeit der Liturgie Rechnung. Denn die vorherrschenden Liturgiesprachen Alt- bzw. Koiné-Griechisch oder Kirchenslawisch können die meisten Gläubigen nur bruchstückhaft verstehen.
Dies gilt selbst für gegenwärtig gesprochene Sprachen wie etwa das Arabische, das auf hochsprachlichem Niveau in der Liturgie angesichts schwindender Sprachkenntnisse von der zweiten bis zur nunmehr vierten Generation fernab des ursprünglichen Mutterlandes der Familie und trotz intensiver Bemühungen mittels Sprachunterricht zunehmend nicht mehr verstanden wird.

Eine nicht geringe Herausforderung für die Göttliche Liturgie auf Deutsch stellt der Mangel an Übersetzungen liturgischer Gesänge dar, obwohl es im deutschen Sprachrraum sogar mittlerweile drei verschiedene Gesangsmöglichkeiten gibt:
Gemeinden in kirchenslawischer Tradition haben mit dem Chorbuch zur Göttlichen Liturgie (hg. von V. Peter Plank und Katharina Sponsel) ein hervorragendes Hilfsmittel an der Hand.
Daneben gibt es in den Gemeinden eine Vielzahl selbst gestalteten Notenmaterials.

Für die byzantinische Tradition gibt es nichts Vergleichbares in Deutsch. Jeder Hymnos muss erst mühsam durch Kontrafaktur entwickelt werden, insofern jede Noten-Vorlage in byzantinischer Notenschrift mit einem passenden deutschen Text unterlegt werden muss (s. Bspl. 1).
Wer jedoch die Kunst, byzantinische Neumen zu lesen, nicht beherrscht, braucht eine „Umschrift“ in westliche Klavier-Notation (s. Bspl. 2). Gute Beispiele dafür sind in Ausgaben des „Andreas-Boten“ zu finden.
Hierzu regen Webseiten orthodoxer Bistümer (GOARCH; AOCA) oder Klöster (hier) der USA an, die eine große Erfahrung in der Umsetzung zeigen.
Ferner bieten US-Verlage Bücher an sowohl mit byzantinischer Notation (z. B. Capella romana) als auch mit westlicher Notenschrift (etwa für die Große und hl. Woche), was in den USA schon eine jahrzehntelange Tradition hat.

Der Deutsche Choral, den Abt Johannes im deutschsprachigen Dreifaltigkeitskloster Buchhagen seit 1977 als „naturtönigen Kultgesang“ entwickelt hat, ist die dritte auf Deutsch praktizierte Form des orthodoxen Kirchengesangs.
Er folgt dem „Vorbild der Gregorianik und der byzantinischen Choraltraditionen“ (Quelle) (s. Bspl. 3 und 4).
Ein Gemeindeheft für den einstimmingen Choralgesang soll in Planung sein.

Eine aktuelle Übersicht über die Orte in Deutschland, in denen regelmäßig die Göttliche auf Deutsch gefeiert wird, findet sich hier (Stand 10/2024).
Aufgrund mangelnder Kenntnisse konnten Liturgie-Orte in Österreich und der Schweiz nicht einbezogen werden.
Wer nicht-orthodox oder nicht-christlich ist und zu einer Göttlichen Liturgie – ob auf Deutsch oder nicht – kommen möchte, sollte die Hinweise zum Thema „Zu Gast in einer orthodoxen Gemeinde“ zur Kenntnis nehmen und möglichst beachten.
In jedem Fall sollte der Priester, der der Liturgie vorsteht, vorab über den Besuch informiert werden.
