„Jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden“ (Apg 2,6). Die Göttliche Liturgie in Umschrift

Nicht nur orthodoxe Christen fragen sich: Wie wäre es, die Göttliche Liturgie in einer fremden Liturgiesprache wie dem Kirchenslawischen, (Alt-)Griechischen, Georgischen oder Arabischen problemlos verstehen und zugleich mitbeten zu können?

Was auf ein kleines pfingstliches Sprachenwunder hoffen lässt (vgl. Apg 2,1-13), ist tatsächlich auch ohne spezielle Audiogeräte, die das Hörbare sofort ins Verstehbare umwandeln, möglich. Hierzu ist das Buch weiterhin das Mittel der Wahl.

Zugegebenermaßen muss das Erhörte parallel in einer Übersetzung erlesen werden. Doch sollte das Mitverfolgen des Liturgieablaufs anhand des Büchleins problemlos gelingen.

Neu: dreispaltige Hefte

Ein solches Hilfsmittel in Form eines dreispaltigen Heftes liegt nun vor. Die erste Spalte gibt zunächst den Originaltext der Göttlichen Liturgie auf Griechisch, Arabisch, Kirchenslawisch oder Georgisch wieder; in der mittleren Spalte steht die jeweilige Umschrift (Transkription) des Originals; und die rechten Spalte bietet ― bis auf das arabische Heft, das die von Metropolit Isaak gesegnete Übersetzung enthält ― die deutsche Übersetzung der Übersetzungskommission der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) von 2013.

In dieser Form ist dies etwas gänzlich Neues. Zwar erschien bereits 1979 ein zweispaltiges Büchlein mit der Göttlichen Liturgie, das in der rechten Spalte eine Übersetzung ins Deutsche und links eine Transliteration beinhaltete1.

Doch wirft einerseits eine wissenschaftliche Transliteration hinsichtlich der praktischen Verwendbarkeit Fragen auf (s. u. Transliteration versus Transkription); andererseits stammt die Übersetzung offenbar von griechisch-katholischen Unierten, was ihrer Begrifflichkeit gelegentlich anzumerken ist (z. B.: „Meßopfer“, 5; „Präfation und Sanctus“, 45). Dennoch stellte das Büchlein seinerzeit einen ersten und wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar.

Lernt einander kennen!

Adressat der dreispaltigen Hefte sind vorrangig orthodoxe Jugendliche und junge Erwachsene.
Mit dem Heft als sprachlicher Brücke sollte es ihnen leichter fallen, die Gemeinden anderer orthodoxer Bistümer zu besuchen und die Göttliche Litugie dort sowohl mitzuverfolgen als auch andächtig mitzufeiern.

Ausdrücklich fordert S. E. Metropolit Isaak (Barak), der die Entstehung dieser Hefte gesegnet und gefördert hat, in seinem Grußwort die Jugendlichen dazu auf, einander in ihren Gemeinden zu besuchen:

„Mit einem [sc.: dieser Hefte] […] in der Hand können Jugendliche hoffentlich beim Besuch in Gemeinden anderer orthodoxer Bistümer leichter an der Göttlichen Liturgie auf Arabisch, Griechisch, Kirchenslawisch sowie Georgisch teilnehmen, sie dank der mitlesbaren Umschrift mitverfolgen und durch die Übersetzung mitbeten.
Das wäre jedenfalls wünschenswert und auch das Ziel dieser Hefte. Denn kaum etwas ist für das Zusammenwachsen der Orthodoxie in der Diaspora wichtiger als das wechselseitige Kennenlernen und der Austauch.“

Transliteration versus Transkription?

Zum Mitverfolgen der Liturgie ist es nötig, den fremdsprachlichen Text in lateinische Buchstaben entweder zu transliterieren oder zu transkripieren.

Der Definition nach ist eine Transliteration „eine buchstabengetreue Übertragung von Wörtern aus einer Schrift in eine andere, mit dem Ziel die genaue Schreibweise eines Originalwortes nachvollziehbar wiederzugeben. Hierzu werden diakritische Zeichen eingesetzt, sodass eine eindeutige Rückübertragung möglich wird“2.

Hinsichtlich der Transliteration des (Kirchen-)Slawischen muss mit diakritischen Sonderzeichen wie č für Ч, š für Ш, šč für Щ sowie ž für Ж und dazu dem ʼ als Weichheitszeichen Ь (das aber kaum hörbar gesprochen wird) gearbeitet werden.

Auch die Transliteration aus dem Arabischen kommt nicht ohne diakritische Zeichen aus.

Wie Buchstaben mit diakritischen Zeichen ausgesprochen werden, ist einzeln zu lernen. Aus diesem Grund, der besonders den Gebrauch durch die Zielgruppe der Jugendlichen erschweren würde, wurde zugunsten der Transkription des Liturgie-Textes entschieden.

Denn die Transkription (= Umschrift) ist demgegenüber „die Übertragung sprachlicher Ausdrücke von einem Schriftsystem in ein anderes. Diese basiert auf der phonologischen Aussprache“ (a.a.O.).
Das bedeutet, dass die Transkription einen Buchstaben so wiedergibt, wie er zu hören ist.

Jedoch herrscht beim Transkribieren keine Willkür , sondern es gibt verschiedene Regelwerke, im deutschsprachigen Raum gelten meist die Regeln des Duden3.

Dem Duden nach werden Ч als tsch (č), Ш als sch (š) und Щ als schtsch (šč) transkribiert. Das Weichheitszeichen Ь wird als kaum hörbarer Buchstaben nicht transkribiert.

Von den Duden-Regeln der Transkription weicht das dreispaltige kirchenslawischen Heft, das einen dem 17. Jh. nachempfundenen kyrillischen Font verwendet und auf kirchenslawische Sonderzeichen (ѣ, ѩ, ѽ usw.) sowie Abbreviaturen zugunsten der leichteren Lesbarkeit verzichtet, bei einem Buchstaben ab:

An einer Stelle weicht das Heft von der Duden-Transkription ab: Um Ш (š) und Ж (ž), die der Duden beide mit sch transkribiert, sowohl optisch als auch akustisch zu unterscheiden, wird Ж im Heft mit dsch transkribiert.
Dies kommt vermutlich der deutschen Aussprache am nächsten, wie z. B. das Wort Боже (Dt. „Gott“) zeigt: Bodsche mit einem langen, geschlossenen O-Laut.

Zusätzlich werden alle Wörter mit mehr als zwei Silben zur leichteren Aussprache sowohl im Original als auch in der Transkription mit Betonungszeichen akzentuiert.

Wo bestellen?

Das dreispaltige Heft für die Göttliche Liturgie auf Kirchenslawisch – Umschrift – OBKD-Übersetzung kostet 15 Euro inkl. Porto und ist hier bestellbar:

Entweder
den Anweisungen in der automatischen Antwortmail folgen

  1. Kurze E-Mail an analogion(at)web[Punkt]de (bitte at/Punkt als Zeichen einsetzen) schicken.
  2. Dann der automatisierten Antwort-Mail folgen: Den Betrag über die dort genannte Kontonummer einzahlen und Namen samt Lieferadresse sowie Verwendungszweck „Kirchenslawisches Heft“ angeben. Bitte etwas Geduld bis zur Zusendung haben. Vielen Dank!

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1. Auf „Geld senden“ gehen
2. E-Mailadresse eingeben: analogion(at)web[Punkt]de (bitte at/Punkt als Zeichen einsetzen)
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Bei einer Bestellung ab 5 Heften senkt sich der Kaufpreis pro Heft auf 10 €, ab 20 Heften pro Heft auf 5 €.

Die dreispaltigen Hefte für die Göttliche Liturgie auf (Alt-)Griechisch, Georgisch und Arabisch sind in Vorbereitung und können noch nicht bestellt, aber vorgemerkt werden.

Anmerkungen:
1: Die göttliche Liturgie unseres heiligen Vater Johannes Chrysostomos im byzantinisch-russischen Ritus, Kirchenslawisch-Deutsch, Essen: Bongers 1979; der Herausgeber nennt die dortige Transliteration fälschlich „Umschrift (Transkription)“ (S. 8).
Die englischsprachige „tri-parallel study edition“ griechisch-katholischer Ukraniner in den USA von 2016 enthält ebenfalls eine Transliteration, aber keine Transkription.
2: Transliteration und Transkription Paderborner Institut für islamische Theologie der Univ. Paderborn, S. 1, https://kw.uni-paderborn.de/fileadmin-kw/piit/Formulare/7._Transliteration_und_Transkription_-_PIIT.pdf).
3: Vgl. Duden, Mannheim et al.: Dudenverlag, 242006, S. 139.