Zur Taufe berufen – durch die Taufe berufen
Die erste und grundlegende Berufung ist die zum Christsein, zur Nachfolge Jesu, die zur Taufe führt oder dem Wunsch der Eltern zur Taufe ihres Kindes.
Manch einer möchte glauben und kann es nicht. Ein anderer ringt vielleicht mit Gott und dem Glauben an Ihn wie Jakob (vgl. Gen 32,23-33), kann aber nicht von ihm lassen. Denn der Glaube ist eine Gnade, d. h. ein Geschenk Gottes, das wir nicht selbst machen können.
Natürlich kommt der Glaube selten von selbst, sondern Gott führt uns zu Menschen oder Orten, die uns etwas von der Schönheit des Glauben und seiner lebensverändernden, ja, rettenden Frohen Botschaft erfahren lassen. Denn „der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17).

Im christlichen Leben gibt es weitere Be-Rufungen, also Gelegenheiten, einen persönlichen Ruf Gottes zu hören. Es kann der Ruf sein umzukehren, von einem falschen und meist auch ungesunden Weg abzulassen und zu Gott zurückzukehren. Jeder Christ sollte diesen Ruf in seinem Leben spüren – jedenfalls von Zeit zu Zeit.

Jesus Christus hat deshalb das Sakrament bzw. Mysterion der Beichte eingesetzt. Trotz unserer Schuld – so schwer und schlimm ist, was wir getan haben – dürfen wir immer wieder zu Gott umkehren wie der verlorene Sohn zum barmherzigen Vater in dem entsprechenden Gleichnis (vgl. Lk 15,11-32).
Es gibt noch weitere Berufungen wie etwa die Berufung, Gott als Diakon oder Priester zu dienen, oder Ihm als Nonne oder Mönch besonders radikal nachzufolgen.
Woran ist eine echte Berufung zu erkennen?
Um eine wirkliche Berufung von einer „guten Idee“ zu unterscheiden, braucht es nach dem Apostel Paulus die Gaben der „Unterscheidung der Geist“ (1 Korinther 12,10). Zwar mag ein guter Geistesblitz von Gott stammen, aber nur der Gedanke, bei dem wir über lange Zeit tiefe Ruhe und Frieden spüren, mag uns zu Gott führen. Auch das Überwinden von Widerständen gehört dazu.
Zweitens müssen dabei unbedingt beachten, dass uns unser Ego oft einen Streich spielt, indem es uns etwas als erstrebenswert in Aussicht stellt, das uns in den Mittelpunkt schiebt, aber nicht Gott. Die Erzählungen der Mönche sind voll davon; sie nennen es auf Griechisch plani, auf Slawisch prelest.
Kurz gesagt: Es braucht einen Geistlichen (Gr. pnevmatikós) oder geistliche Begleiter (Männer wie Frauen, meist Mönche oder Nonnen), die aufgrund ihrer langen und tiefen Selbsterfahrung als Sünder und zugleich von Gott Geliebte bei der „Unterscheidung der Geister“ helfen und uns vor der Falle der Selbsttäuschung bewahren.
Gott spricht zu uns im „Säuseln“
In der Bibel gibt es einige gute Erzählung, die zeigen, wie Gott zu uns Menschen spricht. Voraussetzung, um Gottes Stimme zu vernehmen, ist ein hörendes Herz, wie es sich König David von Gott erbat (1 Könige 3,9).
Der Priester und Prophet Samuel, der mit Saul Israels ersten König und somit Davids Vorgänger salbte, hatte ein solches hörendes Herz und merkte es zunächst nicht (1 Samuel 3)
Schauen wir uns an, wie Gott den Propheten Elia berief. Dazu gibt es in der Bibel im ersten Buch der Könige 19,11-12 eine sehr eindrucksvolle Erzählung:
Der Engel des HERRN aber sprach: Komm heraus und tritt auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber; und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht in dem Erdbeben. 12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer kam die Stimme eines sanften Säuselns. 13 Und es geschah, als Elia dieses hörte, da verhüllte er sein Angesicht mit seinem Mantel, und er ging hinaus und trat an den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm, die sprach: Was willst du hier, Elia?
Wie beruft Gott?

Wenn Gott ruft, kann es einem Angst und Bange werden wie dem Propheten Jonah (Auf Arabisch يُونُس yūnus). Er will vor Gott per Schiff fliehen, wird von abergläubischen Seeleute über Bord geworden und von einem Wal aufgeschnappt, doch nach drei Tagen wieder ausgespuckt (Jona 1 und 2). Dann flüchtet er zu Fuß weiter und ruht sich unter einem Rizinusstrauch aus, der jedoch von einem Wurm angeknabbert wird, so dass er bald wieder in der prallen Sonne sitzt (Jona 4,6-11). Gott hat einen feinen Humor.
Jesus beruft Andreas, den Erstberufenen »der Erstberufene« (Πρωτόκλητος)
