Alle Menschen guten Willens sind in einer orthodoxen Gemeinde grundsätzlich herzlich willkommen, unabhängig davon, ob sie orthodox sind oder einer anderen christlichen Konfession angehören, ob sie einer anderen Religion oder keiner Religion angehören!
Wer aber als Gast oder Gruppe an einem unserer Gottesdienst oder anderen Veranstaltungen teilnehmen möchte, sollte sich möglichst vorher kurz beim Priester vorstellen und einiges beachten. Denn wie beim Besuch bei Freunden gelten selbstverständlich auch in der Kirche gewisse Regeln der Kommunikation und des Benehmens. Einige davon findet sich sehr anschaulich in diesem Video dargestellt:
Auch Gäste ohne christlichen Glauben sind selbstverständlich willkommen. Idealerweise sollten sie sich jedoch gründlich vorbereitet haben auf das, was sie erwartet: Es mag ihnen inhaltlich und/ oder sprachlich unverständlich, ja, vielleicht sogar fremd und langatmig vorkommen. Dennoch sollten sie im Bewusstsein halten, dass sich für alle anderen um sie herum gerade das Heiligste ihres Glaubenslebens ereignet. Verstehenwollen ist somit mit dem Einnehmen einer respektvollen Haltung und dem Aneignen des notwendigen Wissens ein aktives Geschehen.
In Kürze lässt sich der „Kirchen-Knigge“ etwa folgendermaßen zusammenfassen:
Kirche als heiliger Ort: Es versteht sich von selbst, dass in der Kirche das Handy lautlos und die Stimme leise sein sollten. Auch eine angemessene, den Körper weitgehend bedeckende Kleidung empfiehlt sich gerade auch im Sommer, denn eine Kirche ist keine Strandbar, sondern dient der inneren Sammlung.
Sprechen Sie uns an: Ein Gast kann, nachdem er sich dem Gemeindepriester kurz vorgestellt hat, auch die umstehenden Gläubigen lautlos durch Augenkontakt und leichtes Zunicken grüßen. Von ihnen kann er auch die Hilfen – z. B. ein Buch – bekommen, die er braucht, um sich in der Liturgie besser zu orientieren.
Kerze anzünden: In der Kirche eine Kerze zu kaufen und anzünden, ist für Orthodoxe üblich. Beim Anzünden und Aufstellen denken wir an unsere Freunde und Verwandten – lebende wie entschlafene – und besonders an die, die unsere Gebete gerade etwa aufgrund von Sorgen, Nöten und Krankheiten brauchen. Die Kerze steht dann stellvertretend für unser Gebet, und sie brennt in dieser Intention noch weiter, wenn wir uns bereits gedanklich schon der Liturgie oder dem Gottesdienst zugewendet haben.
Ikonenverehrung: Eine Verehrung der Wirklichkeit Gottes in den Bildern Seiner Heiligen, wie sie sich im Niederwerfen vor und Küssen von Ikonen zeigt, wird nur von Orthodoxen erwartet. Allerdings teilen auch Christen anderer Konfessionen die dahinter stehende Theologie, wenn ihre Kirche die Beschlüsse des Zweiten Konzils von Nizäa (787), des siebten der sog. Sieben ökumenischen Konzilien, zur Ikonenverehrung anerkennt. Ähnliches gilt auch für den Handkuss, mit dem der Priester als lebendige Ikone Christi verehrt wird, weil er sakramental in persona Christi handelt – Anspruch an ihn und Mahnung zugleich.

Haltung bewahren: Wie in dem verlinkten Video erwähnt, ist es in orthodoxen Kirchen verpöhnt, beim Sitzen wie im Theater oder Kino die Beine kreuzförmig übereinander zu schlagen, denn das Kreuz ist das Zeichen des Todes und der Auferstehung Christi. Stattdessen ist eine der Würde der Liturgie entsprechende Haltung der Andacht und des Gebets angebracht.
Orthodoxe, die die hl. Kommunion empfangen wollen: Ist ein Gast orthodox und möchte er die Hl. Kommunion empfangen, sollte er sich dem Priester vor der Liturgie vorstellen und kurz erzählen, woher er kommt und welchem orthodoxen Bistum bzw. welcher Gemeinde er angehört. Für ein längeres Gespräch ist meist erst nach der Liturgie Zeit. Dem orthodoxen Kirchenrecht nach, aber mehr noch aus innerstem theologischen Selbstverständnis heraus, dürfen in der Orthodoxen Kirche nur orthodoxe Christen die hl. Kommunion empfangen.
Brot für die Welt – das Antidoron: Bei dem Stück Brot, das der Priester am Ende der Liturgie gibt, handelt es sich nicht um den Leib Christi, sondern um ein nicht konsekriertes Brot namens Antidoron, das alle empfangen könnnen, die es möchten.
Eingeladen: Oft gibt es nach der Liturgie ein lockeres Beisammensein bei einem Kaffee, wozu Gäste herzlich eingeladen sind.
Eine gute Zusammenfassung bietet auch dieses Video:
